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Weihnachten auf einer Farm in Texas, 1849 

 

cover auswandererbuch Dazwischen der Ozean Liane von Droste edition steinlachWeihnachten auf einer Farm in Texas im Jahr 1849: Lesen Sie, was Julie Hanke und drei weitere ausgewanderte Deutsche in Nord- und Mittelamerika Mitte des 19. Jahrhunderts alles erlebt haben – Sie werden das Buch nicht mehr aus der Hand legen!

Liane von Droste, „Dazwischen der Ozean. Biografien, Erinnerungen und Briefe von Deutschen in Amerika nach 1848“, edition steinlach 2013, 19,90 Euro

 

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Leseprobe Text Julie Hanke, 1849:

 

 

Das Klima in Texas wollte uns indes gar nicht behagen. Am Heiligen Abend hatten wir Hitze und Blumen und Blüthen statt Schnee. „Was für ein Heiliger Abend wird das sein?“, dachte ich mir. Einen Stollen hatte ich mir aber doch gebacken im Blechtopf, wie ein Maisbrot. Hanke begab sich auf Fischfang und nahm seine Flinte mit, um einen Braten zu erlegen, einen Hirsch oder einen Truthahn, an denen es nicht mangelte.

 

 

Es wird Abend, mein Mann kehrt nicht zurück. Ich fange an unruhig zu werden. Da kommt plötzlich das Pferd ohne Reiter, den Sattel nach unten. Nun kannst Du Dir meine Angst vorstellen! Nach einer Stunde endlich kommt Hanke an, todmüde, aber unversehrt. Das Pferd hatte ihn abgeworfen und war nach Hause galoppiert. Es war also nichts mit dem Fisch, noch mit dem Festtagsbraten. Ich hatte zur Vorsicht schon geräuchertes Schweinefleisch, Sweet Potatoes, Kaffee und Weißbrotzurechtgemacht. So hielten wir unsere erste Weihnachtsmahlzeit in Texas. An Einbescherung dachte natürlich niemand.

 

So kam Sylvester heran. Ich hatte wieder etwas gebacken. Hankebesorgte Whisky, der in keinem Haus fehlen darf. Wir begaben uns zur Ruhe. Um zwölf Uhr ertönt auf einmal Musik ein Hallo: „Mister Hanke!“ Wir springen schnell aus dem Bette und kleiden uns an. Während dem erzählt mein Mann, dessen geheimnisvolles, oft pfiffig lächelndes Gesicht mir schon am Tage aufgefallen war, dass es hier so Brauch sei unter den deutschen Farmern, an Sylvester mit Musik von einer Farm zur anderen zu ziehen. Jede Farm muß den Gästen bieten, was sie vermag. Es wird gegessen, getrunken und getanzt. Dann geht es weiter.

 

Mir war die Sache nicht ganz behaglich. Alles amerikanisierte deutsche Bauern. Aber es half nichts, Gastfreundschaft mußte geübt werden. Mein Mann und Gentner spielten abwechselnd die Flöte und wir Frauen mußten mit den Männern tanzen. Es war etwas so Originelles, dass wir uns schließlich alle amüsierten. Hanke mußte nun auch weiter ziehen und kam erst am Morgen zurück. Den anderen, als noch Fremden, wurde der Scherz erlassen.

 

© edition steinlach, www.edition-steinlach.de

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